Amazon blockiert Metas Muse-Agenten und weitet Perplexity-Klage aus
Amazon hat den Zugriff von Metas Einkaufsagenten Muse gesperrt und eine 41-seitige geänderte Klage gegen Perplexity wegen Session-Cookies eingereicht. Der E-Commerce-Riese setzt auf eine strikte Blockadestrategie gegen Drittanbieter-KI.
Weil immer mehr KI-Agenten (Programme, die für Nutzer mehrstufige Aufgaben selbstständig erledigen) Browser fernsteuern und Einkäufe eigenständig abschließen, verlagert sich der Streit um die Souveränität im sogenannten agentischen Handel in Gerichtssäle und Firewall-Konfigurationen.
Metas Muse scheitert an Bot-Abwehr
Meta stellte kürzlich den Einkaufsassistenten Muse vor, der Produkte im Web recherchieren und Bestellungen autonom abwickeln soll. Nutzer, die Bestellungen auf Amazon abschließen wollten, wurden jedoch umgehend von Bot-Schutzsystemen gestoppt.
Amazon erklärte dazu in einer Stellungnahme: „Der fortgesetzte Zugriff durch nicht autorisierte KI-Agenten verstößt gegen die Nutzungsbedingungen von Amazon.“ Das Unternehmen argumentiert, dass ungeprüfte automatisierte Bots Zugangsdaten und Zahlungsinformationen gefährden sowie massenhaftes unbefugtes Web-Scraping auslösen.
Meta entgegnete, dass Muse in isolierten virtuellen Maschinen (VM) läuft und Zahlungen über Link by Stripe abwickelt. Die KI-Modelle bekämen rohe Passwörter oder Kreditkartennummern daher zu keinem Zeitpunkt zu sehen. Dennoch sperrt Amazon alle nicht autorisierten Bots direkt an der Netzkante aus.
Urteil des 9. Berufungsgerichts und 41-seitige Klageänderung
Auch die juristische Auseinandersetzung zwischen Amazon und Perplexity rund um den Einkaufsassistenten Comet hat sich verschärft. Am 4. August 2026 (Az. 26-1444) hob das US-Berufungsgericht für den 9. Bezirk eine einstweilige Verfügung gegen Perplexity auf. Das Gericht argumentierte, dass lokal auf dem Endgerät des Nutzers ausgeführte Agenten als legitime Stellvertretungshandlung des Nutzers gewertet werden können, weshalb kein direkter Verstoß gegen den Computer Fraud and Abuse Act (CFAA) vorliege.
Amazon reagierte am 21. September 2026 mit einer technisch detaillierten, 41 Seiten starken geänderten Klageschrift (First Amended Complaint). Darin führt Amazon an, dass Comet für iOS keineswegs nur lokal arbeite. Stattdessen leite die App authentifizierte Amazon-Session-Cookies (Browser-Kennungen zur Aufrechterhaltung des Login-Status) an die Cloud-Server von Perplexity weiter, von wo aus direkte serverseitige Anfragen an Amazon gestellt würden.
Zusätzlich zu den CFAA-Vorwürfen klagt Amazon nun wegen vorsätzlicher Vertragsstörung (Tortious Interference with Contract). Perplexity verleite Nutzer bewusst dazu, gegen die Amazon-Nutzungsbedingungen zu verstoßen. Perplexity hat im Oktober 2026 einen Antrag auf Abweisung der geänderten Klage eingereicht.
Totale Blockade bei Amazon vs. Agent Gateway bei Walmart
Die großen Handelsplattformen verfolgen gegensätzliche Strategien. Amazon setzt konsequent auf Web Application Firewalls (WAF) und Nutzungsbedingungen, um autonome Bots abzuwehren. Anders als Webcrawler für Suchmaschinen binden Einkaufsagenten teure Serverressourcen und umgehen zugleich lukrative gesponserte Produktplatzierungen und Empfehlungssysteme.
Walmart wählt dagegen einen pragmatischeren Weg. Das Unternehmen hat ein eigenes „Agent Gateway“ mit verifizierten Identitätsprofilen für Bots gestartet. Statt automatisierten Datenverkehr komplett auszusperren, will Walmart ihn über dedizierte APIs und kontrollierte Authentifizierungsverfahren steuerbar machen.
Worauf zu achten ist
- CFAA und Weiterleitung von Session-Cookies: Die Entscheidung über Perplexitys Abweisungsantrag wird klären, ob das servergestützte Weiterleiten aktiver Session-Cookies als illegaler Hackerangriff oder als zulässige Nutzerbevollmächtigung gilt.
- WAF-Regeln und Standards zur Agenten-Identifikation: Wie Betreiberrechte und Nutzerautonomie über maschinenlesbare HTTP-Header und standardisierte Authentifizierungsprotokolle ausbalanciert werden, entscheidet über die Architektur künftiger Web-Agenten.
Quellen
Quelle: www.reuters.com