DHS: DeepSeek muss aus Bundesbehörden, auch Drittanbieter-Produkte
Zivile US-Bundesbehörden dürfen DeepSeek nicht mehr beschaffen und müssen vorhandene Installationen entfernen. Die Anordnung gilt auch für Drittanbieter-Produkte, die mit DeepSeek gebaut wurden, deshalb sollten Firmen, die an Bundesbehörden liefern, prüfen, ob DeepSeek in ihren Produkten steckt.
Das US-Heimatschutzministerium (DHS) hat zivile Behörden der Bundesexekutive angewiesen, DeepSeek aus der Beschaffung auszuschließen und aus bereits installierten Systemen zu entfernen. Die Anordnung selbst trägt das Datum 24. Juli. Die Bekanntmachung ging am 19. Okt. beim Federal Register, dem US-Bundesanzeiger, ein und soll am 20. Okt. erscheinen. Unterzeichnet hat Markwayne Mullin als Leitung des DHS.
Was die Anordnung umfasst
Rechtsgrundlage ist der Federal Acquisition Supply Chain Security Act von 2018 (FASCSA). Er erlaubt der DHS-Leitung, riskante Produkte aus der Bundesbeschaffung auszuschließen oder von Bundessystemen entfernen zu lassen, nachdem der Federal Acquisition Security Council eine Empfehlung ausgesprochen hat. Die Anordnung verlangt zwei Dinge.
- Ausschluss aus der Beschaffung: Produkte und Dienste von Hangzhou DeepSeek Artificial Intelligence und verbundenen Unternehmen werden sofort aus der Beschaffung der zivilen Bundesbehörden ausgeschlossen. Das gilt auch für behördlich freigegebene Produktlisten, Gerätelisten von Dienstleistern und E-Commerce-Marktplätze.
- Entfernung: Aus den IT-Systemen der Behörden müssen DeepSeek-Produkte sowie Produkte und Dienste von Drittanbietern verschwinden, die mit DeepSeek-Implementierungen (implementations) entwickelt wurden. Die Entfernung soll unmittelbar nach Erlass erfolgen, eine eigene Frist nennt der Text nicht.
Die Anordnung richtet sich an zivile Behörden der Bundesexekutive. Ihre Systeme für die nationale Sicherheit und für sensible, nach Zugangskreisen abgeschottete Informationen (SCI) sind ausgenommen; das Verteidigungsministerium und die Nachrichtendienste unterliegen eigenen Befugnissen. Eine Vorschrift, die Unternehmen oder Privatpersonen direkt bindet, enthält der Text nicht.
Wo „Drittanbieter“ aufhört
Für Entwickler ist das der wichtigste Punkt. Die Anordnung verbietet nicht nur, die DeepSeek-App oder -API direkt zu nutzen. Auch Produkte und Dienste anderer Firmen, die mit DeepSeek-Implementierungen gebaut wurden, werden aus den Bundessystemen entfernt.
Wie weit „mit DeepSeek-Implementierungen entwickelt“ reicht, definiert der Text allerdings nicht. Ob ein feinabgestimmtes Modell oder ein Produkt, das nur eine gehostete API aufruft, dazugehört, lässt sich aus dem Dokument allein nicht beantworten und bleibt offen, bis weitere Hinweise vorliegen. Die dürften von der CISA kommen, der US-Behörde für Cybersicherheit und Infrastruktursicherheit, die die Umsetzung der Anordnung begleitet.
Die Risiken, die das DHS nennt
Die Anordnung führt fünf Gründe an.
- Die Server von DeepSeek stehen in China, und das chinesische Recht räumt dem Staat weitreichenden Zugriff auf die Infrastruktur privater Unternehmen ein.
- Bei der Kontoerstellung werden personenbezogene Daten erhoben, und DeepSeek kann Nutzer verfolgen und per Geräte-Fingerprint wiedererkennen.
- Prompts und Antworten können nach China gelangen und sensible Informationen enthalten, wenn Regierungsangestellte oder Auftragnehmer den Dienst nutzen.
- Zusammen mit öffentlichen Daten könnten solche Informationen „verwertbare Erkenntnisse“ über US-Personen oder Regierungsprogramme liefern.
- Die Modelle selbst könnten Schadcode oder andere Schwachstellen enthalten.
Was als Nächstes zu beobachten ist
- Ob der am 20. Okt. im Federal Register veröffentlichte Text mit der eingegangenen Bekanntmachung übereinstimmt.
- Ob die CISA erläutert, was eine „DeepSeek-Implementierung“ ist.
- Ob ähnliche Anordnungen auf weitere chinesische KI-Modelle ausgeweitet werden. CyberScoop berichtet, dass diese Anordnung nur DeepSeek nennt.
Quellen
- Notice of Order Regarding Exclusion and Removal of DeepSeek Products (Federal Register, Public Inspection)
- DHS to ban DeepSeek from federal civilian agencies (CyberScoop)
- DHS Orders Civilian Agencies to Remove DeepSeek AI Products (MeriTalk)